Freitag, 11. August 2006

Immerhin bin ich nicht alleine im alltäglichen Wahnsinn...

..denn ein bereits hier erwähnter Unkreativer Mensch hat in einem seiner Einträge mal wieder etwas Wahres geschrieben über die Welt und die Nachrichten, die man erhält. Anscheinend bekommt der gemeine Bildzeitungsleser genau die Informationen, die er verdient. Doch warum bekommen Menschen, die die Wahrheit mehr lieben als irgendwelche weichgespülte Hirnwäsche, nicht genau diese aufgetischt? Glaubt man denn immernoch, wir wären so doof, nix zu merken? Das ging vielleicht vor fünfhundert Jahren, aber heutzutage ist es irgendwie nicht mehr so ganz up-to-date...

Insofern wird es wohl zunehmend wichtiger, sich von der etablierten Medienindustrie ein wenig zu emanzipieren. Dabei hasse ich dieses Wort eigentlich wie die Pest, aber hier passt es einfach mal wie die Faust aufs Auge. Nun ja, in diesem Artikel über freie Netze habe ich ja schoneinmal eine mögliche Lösung aufgezeigt...

BürgerNetz

Am Anfang steht immer eine Idee. Und die Idee, um die es hier gehen soll, ist auch gar nicht so neu, ich trage sie schon lange mit mir herum. Es ist quasi eine Abwandlung von "Freie Fahrt für Freie Bürger", nur, daß es mir nicht um den KFZ-Verkehr geht, sondern um den Datenverkehr.
Jetzt kommt sicher der Einwand "Dann besorg Dir doch nen Internetanschluß". Keine Angst, den hab ich schon. sonst hätte es dieser Beitrag wohl kaum bis hierher geschafft ;-) Es geht mir vielmehr um etwas anderes.
Es geht um freie, ungehinderte Kommunikation, um die Überwindung der zunehmend drohenden "digitalen Spaltung". Darunter können sich viele Menschen so garnichts vorstellen.
Ich werde mal versuchen, zu erklären, wie sich die ersten Anflüge von digitaler Spaltung und wirtschaftlichen Interessen heutzutage auf den Berliner auswirken.

Nach dem Fall der Mauer wurde in einigen Teilen Berlins (und überhaupt in einigen Teilen der neuen Bundesländer) das zugegebenermaßen etwas marode Telefonnetz komplett auf Glasfaser umgestellt. In diesen Teilen existierte zum damaligen Zeitpunkt das modernste Telefonnetz, das man sich vorzustellen wagte. Natürlich sind dafür auch großzügig Gelder vom Bund geflossen. Und heute, wo alles nach DSL schreit, will man in diesen gegenden nix machen, denn das würde ja Geld kosten. Während es in ländlichen Regionen teilweise noch nichtmal vernünftige Breitbandanschlüsse (also schneller als "nacktes" ISDN) gibt, da die Umrüstung bei wenigen Nutzern im Verhältnis zu teuer ist, werden in ausgewählten Großstädten mit ein wenig Rückendeckung durch die Bundesregierung VDSL-Anschlüsse verlegt. Eigentlich braucht die dort gebotene Bandbreite kein Mensch, es sei denn, man will wirklich auch noch das Fernsehen durch die Leitung schicken. Interessanterweise passiert der Ausbau insbesondere in den Gegenden, in denen das durchschnittliche Einkommen recht hoch ist, während die Telekom sich in den "weniger attraktiven" Lagen vornehm zurückhält.

Das Beunruhigende dabei: Genau dasselbe wird in der nächsten Aufrüstungsrunde wieder passieren. Die einzige praktikable Lösung wäre ein Netzwerk, das nicht kommerziellen Begehrlichkeiten unterliegt. Doch dies wird keine Firma je errichten, da sind die Menschen selbst gefragt die Initiative zu ergreifen. Es gibt bereits vielversprechende Ansätze wie zum Beispiel das Freifunknetz , ein experimentelles freies Funknetzwerk, das sowohl hier in Berlin als auch in anderen Städten in Deutschland wächst und gedeiht. Meine Gedankengänge gehen jedoch noch ein kleines Stückchen weiter als freifunk, wenn sich die Grundideen auch nahezu gleichen. Denn wie der Name FreiFUNK schon andeutet, geht es dabei um Vernetzung auf Basis von Funknetzen, besser bekannt als WLAN. Ich finde, man sollte die Idee ruhig für alle Netzarten gelten lassen, sei es Ethernet, WLAN, serielle Leitungen oder was auch immer. Laut einem Internetstandard geht inzwischen auch die Übertragung von IP-Paketen standardkonform per Brieftauben... ;-) Dabei schließt natürlich die eine Technologie die anderen nicht aus, es können Funknetzwerke friedlich neben Glasfaserkabeln und Kupferleitungen hebenher existieren und sich gegenseitig unterstützen. Dabei kann jedes Medium seine Stärken voll ausspielen.

Das hört sich jetzt sehr technisch an? Keine Sorge, man braucht kein Computerfreak sein, um bei einem solchen Projekt mitzumachen. Es gibt immer Menschen, die kennen sich gut mit bestimmten Dingen aus, haben von anderen aber nicht unbedingt viel Ahnung. Und das macht nichts, der eine kennt sich halt mit Netzwerken gut aus, der andere hat vielleicht seinen Schwerpunkt in dem Bereich Software, ein dritter wäre in der Lage, ein wenig Material "springen zu lassen", wieder andere kümmern sich um andere Belange. Es gibt praktisch für jeden etwas, was er beitragen kann, ohne daß es notwendigerweise gleich Geld kostet.

Immerhin geht es hier um unsere Freiheit und Unabhängigkeit. Freiheit der Meinung und Rede, Unabhängigkeit von profitorientierten Konzernen, aber auch Unabhängigkeit der Medien. So wären beispielsweise unabhängige Lokal-"Radios" denkbar und andere Dinge. Denkt mal darüber nach, über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen!

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